Start in schwierigen Zeiten: Der Neue will ein Zeichen setzen

Jan Rodewald ist im Landratsamt seit Jahresbeginn für den Sport verantwortlich.
Jan Rodewald ist im Landratsamt seit Jahresbeginn für den Sport verantwortlich. Foto: Landratsamt

Im Landratsamt des Vogtlandkreises hat es zu Jahresbeginn einen Wechsel beim Verantwortlichen für den Sachbereich Sport gegeben. Der studierte Sportwissenschaftler Jan Rodewald stützt sein Wirken auf drei Säulen.

Plauen.Jan Rodewald hat sich intensiv Gedanken darüber gemacht, wie er sein Amt als neuer Verantwortlicher im Bereich Sport des Landratsamts ausfüllen möchte. Anfang des Jahres hat der 34-jährige studierte Sportwissenschaftler Lutz Kölbel als Sachbereichsleiter abgelöst. Kölbel, der sich in den verdienten Ruhestand verabschiedet hat, begleitete Jan Rodewald noch ein Stück weit in die Funktion ein, ehe er dem gebürtigen Plauener komplett das Steuer überließ. Nun ist Rodewald voll und ganz in seiner neuen Arbeit angekommen.

Er möchte sich in seinem Wirken für den Sport im Vogtland auf drei Säulen stützen, die für ihn wichtig sind und seine Grundgedanken widerspiegeln. Zum einen möchte er modern sein und die Digitalisierung in seinem Bereich und in den vogtländischen Vereinen vorantreiben. Zudem pocht er auf Innovation und Nachhaltigkeit. Die dritte Säule bildet ein verantwortungsvolles Arbeiten. Mit diesem Konzept möchte Jan Rodewald gemeinsam mit dem Kreissportbund und den Sportvereinen neue Wege beschreiten. „Ich habe mich sehr, sehr gut eingelebt. Im Bereich Kultur und Sport gibt es im Landratsamt ein super Team, von dem ich wirklich gut aufgenommen wurde“, freut sich Rodewald über die neue Herausforderung.

Aufgewachsen in Plauen, machte Jan Rodewald sein Abitur am Diesterweg-Gymnasium. Nach dem Abschluss und dem Zivildienst zog es den Handballer nach Chemnitz, wo er Sportwissenschaften studierte. Mit dem Abschluss als Bachelor in der Tasche reiste er ein Jahr lang durch Australien und Neuseeland. Eine Zeit, die ihn nachhaltig prägen sollte. Wieder zurück von diesem Abenteuer, machte der 34-Jährige seinen Master in Sportwissenschaften in Leipzig im Bereich Leistungssport. Später arbeitete er als Sportwissenschaftler an der Uni Leipzig, betreute und begleitete dort unter anderen die Radsport-Olympiasiegerin Kristina Vogel.

„Trotz allem hatten ich und meine aus Syrau stammende Frau immer wieder den Drang, in die Heimat zurückzukehren. Diese Gelegenheit bot sich zumindest für mich 2017“, erklärt Jan Rodewald. Ein Jahr lang erstellte er für den vogtländischen Tourismusverband eine Radkonzeption, ehe es ihn zum Kreissportbund Landkreis Leipzig zurückzog, um dort die Stelle als Referent für Sportentwicklung und Sportjugend auszufüllen.

„Diese Zeit hat mich stark geprägt. Dadurch kenne ich sowohl die Stärken als auch die Schwächen der Vereins- und Verbandsstrukturen. Das wird mir auch bei meiner neuen Aufgabe im Vogtland helfen“, zeigt sich Rodewald überzeugt. Der Wunsch, in die Heimat zu Familie und Freunden zurückzukehren, wurde mit der Übernahme der Stelle im Landratsamt in Plauen befriedigt. Für Jan Rodewald, seine Frau und seinen im Mai 2020 geborenen Sohn heißt der Lebensmittelpunkt nun wieder Vogtland. Entsprechend engagiert hat er auch seine neue Arbeit aufgenommen.

„Meine Priorität liegt auf einer engen Zusammenarbeit mit dem Kreissportbund und unseren Sportvereinen. Trotz der aktuell bescheidenen Situation stehe ich in engem Austausch mit dem Geschäftsführer des Kreissportbundes, Michael Degenkolb. Wir haben die Köpfe intensiv zusammengesteckt und wollen in Zukunft gemeinsam für den Sport im Vogtland da sein“, so Rodewald. Gerade an seinen drei Grundsäulen will der Sportwissenschaftler arbeiten. „So wie es der neue Bau des Landratsamtes widerspiegelt, will ich modern, offen und flexibel arbeiten. Modern heißt vor allem, den Vereinen zur Seite zu stehen und adäquat und sensibel im Bereich der Digitalisierung zu helfen, sie aber auch voranzutreiben. Beim Thema Innovation und Nachhaltigkeit geht es mir vor allem um die Synergie zwischen Sport und Wirtschaft. Das sind zwei Komponenten, die sich gegenseitig brauchen. Da kann sich auch der Vereinssport weiterentwickeln, dass zum Beispiel der Gesundheitssport, der für Unternehmen wichtig ist, einen Weg in die Vereine findet. Gleichzeitig können Unternehmen in der potenziellen Zusammenarbeit mit Vereinen nicht nur eine monetäre, sondern auch eine mögliche Ressource infrastruktureller und personeller Unterstützung, zum Beispiel bei Sportveranstaltungen, darstellen, was wiederum die so wichtigen Ehrenamtler im Sport entlasten kann“, erklärt Jan Rodewald zwei seiner drei Grundsäulen.

Der dritte Punkt aus seiner Agenda liegt ihm besonders am Herzen. „Eine strukturierte Präventionsarbeit auf Basis eines Kinderschutzkonzepts ist heute unerlässlich, um sowohl der Verantwortung gegenüber den uns anvertrauten Kindern und Jugendlichen gerecht zu werden als auch die Existenz der Vereine abzusichern. Gleichzeitig kann die Implementierung eines solchen Konzepts ein weiteres Qualitätsmerkmal für einen Verein darstellen“, so der neue Verantwortliche für den Sport im Vogtland. Zentraler Anlaufpunkt für eine Expertenberatung für dieses und andere Themen rund um den Sport stellt der Kreissportbund Vogtland inklusive der Sportjugend dar.

In seinen ersten drei Monaten im Landratsamt konnte sich der Sportwissenschaftler einen guten Überblick über die Lage im vogtländischen Vereinsleben verschaffen. „Laut der Bestandsaufnahme des Landessportbunds sind sachsenweit die Mitgliederzahlen in den Vereinen um 20.000 zurückgegangen. Besonders bedenklich ist, dass davon 60 Prozent auf den Nachwuchs entfallen. Das Vogtland verzeichnet einen ähnlichen Trend, hat laut Angaben des Kreissportbundes im vergangenen Jahr 1300 Vereinssportler verloren“, so Rodewald.

Auch wenn manche Vereine sich in der Coronazeit etwas gesundstoßen könnten, da Ausgaben für Veranstaltungen wegfallen würden, sei es laut Jan Rodewald enorm wichtig, wieder mehr Kinder und Jugendliche in die Vereine und in Bewegung zu bekommen.

Ein erster Schritt dorthin sollte Ende März die Aktion „Deine Stimme für deinen Verein“ sein. „Gemeinsam mit den Medien, dem Kreissportbund und dem Landratsamt wollen wir den Vereinen in dieser schwierigen Zeit eine Plattform für Austausch, Gemeinschaft und Emotion geben. Dabei wollen wir vorrangig eine positive Stimmung und Optimismus erzeugen, bei gleichzeitigem Sichtbarmachen der aktuellen und zum Teil existenzbedrohenden Lage unserer Vereinslandschaft. Das ist sehr gut angekommen, somit arbeiten wir gerade an einer Fortführung dieser Gemeinschaftsaktion“, so Rodewald.

Auf dem Zettel des neuen Sachbereichsleiters stehen noch viele andere Sachen, wie zum Beispiel die Bündelung von Kräften im Sinne des vogtländischen Sports und auch das Hervorheben der hervorragenden Sportler im Vogtland, die in ihren Disziplinen zum Teil zur Weltspitze gehören. „Das Vogtland ist eine sportbegeisterte Region. Darauf können wir stolz sein“, freut sich Jan Rodewald.