Nächster Rückschlag im Abstiegskampf

Von Marcus Schädlich
Auerbach.Die kleinen Gesten zeigen oft schon viel: Als der VfB Auerbach am Samstagnachmittag gerade mal wieder eine Regionalliga-Halbzeit zum Vergessen hingelegt hatte, war einer ganz schnell wieder aus der Kabine zurück auf dem Feld: VfB-Coach Sven Köhler. Mehr als ein paar wenige Worte wird er seinem Team nach dem 0:3 zur Pause beim Chemnitzer FC nicht gesagt haben. Es war auch nicht nötig, denn einmal mehr zeigte sich das VfB-Team nicht in Regionalliga-Verfassung – und der Trainer überließ die Mannschaft sozusagen sich selbst.

Ob Köhler aus Ratlosigkeit, Frust oder zur Motivation seine Elf so lange allein in der Kabine gelassen hat, bleibt sein Geheimnis. Denn der VfB-Coach war am Frust-Samstag nach dem peinlichen Auftritt und der 1:5-Niederlage wortkarg. Zur Leistung seines Teams wolle er heute lieber nichts sagen, lauteten seine Worte in der Pressekonferenz. Nur so viel ließ er sich dann doch entlocken: Er habe die Bereitschaft vermisst. Ohne die nötige Bereitschaft könne sein Team bei einem Gegner wie dem CFC nicht antreten.

Köhler ist insofern auch nicht zu beneiden, dass er nicht genau davor gewarnt hatte, was sich im Stadion an der Gellertstraße später ereignete. Ohne defensive Stabilität sei der VfB chancenlos, hatte er vor der Partie gesagt. Nur fehlte den Vogtländern genau das. Ja, es war sogar noch schlimmer als befürchtet. Die Auerbacher legten sich die Gegentreffer, am Ende sollten es fünf sein, beinahe selbst ins Netz. Die nicht unbedingt herausragenden Chemnitzer hatten keine Mühe, einen Kantersieg herauszuschießen, auch weil wichtige Auerbacher Stützen auf ganzer Linie versagten. Die Innenverteidigung mit Marcin Sieber und Sempastiano Giaouplari: verunsichert, konfus. Die Außenverteidiger Johann Weiß und Niklas Kubitz: überfordert. Kubitz wurde zur Halbzeitpause erlöst, sein Ersatzmann Mohand Almansori hatte aber ähnliche Probleme. Und so ließe sich das Auerbacher Team weiter durchgehen: Torhüter Maximilian Schlosser steckte wohl das Hin und Her um seine Quarantäne und Nicht-Quarantäne nicht so gut wie erhofft weg. Er wirkte verunsichert in einer höchst verunsicherten Mannschaft, die sich nach ordentlichem Beginn schon nach dem 0:1-Rückstand aufgegeben hatte.

Nur in einer Phase des Spiels – um den Treffer zum 1:4-Anschluss nach der Pause – lief der Ball flüssig durch die Auerbacher Reihen. Ob es daran lag, dass sich das Team für kurze Zeit straffte oder ob Chemnitz einen Gang rausnahm – eine Interpretationsfrage.

Ohne Frage war die Leistung des VfB mehr als nur eine Niederlage. Sie reiht sich ein in die farblosen Auftritte in der Fremde mit deutlichen Klatschen (Cottbus, Halberstadt, BFC Dynamo). Mit 34 Auswärts-Gegentoren ist offensichtlich, dass Auerbach in dieser Verfassung nicht vom Klassenerhalt träumen darf. Kein Team der Liga hat auswärts so wenige Punkte geholt und so viele Gegentreffer gefangen. Und dabei steht sogar noch am Mittwoch, 19 Uhr, das Auswärtsspiel beim FC Carl Zeiss Jena aus. Erneut ein Spiel mit Debakel-Potenzial. Mit einem ähnlichen Auftritt wie am Samstag in Chemnitz, als über 90 Minuten kein Zug im VfB-Team war, sondern eher eine Wehrlosigkeit dürfte die 40-Auswärtsgegentor-Marke wackeln.

Was steckt hinter dieser Pleitenserie? Ist das VfB-Team tatsächlich so schlecht? Ja und nein. Einmal mehr erahnten die Auerbacher Spieler in Chemnitz nicht die gefährlichen Aktionen, was in der hohen Anzahl wohl auch ein Qualitätsproblem ist. Andererseits fehlt dem Team ein Leader, der in engen Phasen des Spiels den Fokus schärft. Kapitän Marc-Philipp Zimmermann, der mit seinem Tor wenigstens seine Torlos-Serie beendete, ist dazu nicht in der Lage. Ein kleiner Hoffnungsschimmer scheint das zentrale Mittelfeld zu sein, wo Eric Stiller, Ondrej Brejcha und Di Mateo Lovric noch zu den Besseren eines schlechten Teams zählen.