Landespokal: Der RFC verbarrikadiert sich nicht

Chemie Leipzigs zweifacher Torschütze Benjamin Luis (links) kommt hier vor dem Reichenbacher Maurice Lange an den Ball. Rechts beobachtet RFC-Kicker Niklas Hinte die Szene.
Chemie Leipzigs zweifacher Torschütze Benjamin Luis (links) kommt hier vor dem Reichenbacher Maurice Lange an den Ball. Rechts beobachtet RFC-Kicker Niklas Hinte die Szene. Foto: Franko Martin

Nach einem guten Start der Reichenbacher Fußballer wurde das Pokalspiel gegen Chemie Leipzig zur klaren Angelegenheit. Ärger gab es beim 0:4 nur kurz auf der Tribüne.

von Olaf Meinhardt

Das Unerwartete ist wie erwartet ausgeblieben: Der Reichenbacher FC strich in der dritten Runde des Sachsenpokals gegen Regionalligist Chemie Leipzig mit 0:4 die Segel. An einer Sensation durfte der Spitzenreiter der Landeskasse West zumindest in der Anfangsviertelstunde schnuppern. In der hatte Chemie zwar viel Ballbesitz, konnte aber vom RFC-Gehäuse ferngehalten werden. Doch das frühe Tor, das für einen Favoriten im Pokal sehr oft die Weichen stellt, fiel dann doch.

Ausgangspunkt war ein Eckball. Luis konnte den Ball am kurzen Pfosten annehmen und aus der Drehung vollenden (18.). Nach diesem Rückstand verließ die Reichenbacher etwas der Mut. Prompt fingen sie sich das nächste Tor ein, als Schmidt sich durchtankte und auf Kirstein ablegte: Zweite Chance – zweiter Treffer. Nach einer halben Stunde nutzte Chemie seinen dritten Hochkaräter zum 3:0 und damit zur Vorentscheidung. Wieder war es Kirstein, wieder legte Schmidt auf.

Auf der Gegenseite war spätestens am Strafraum Endstation, wenngleich man den Hausherren attestieren konnte, dass sie sich nicht im Abwehrkämmerlein versteckten und bei Ballbesitz schnell mit der Abwehrreihe nach vorn rückten. Torgefahr strahlte der RFC auch nach dem Wechsel nicht aus, wurde aber mutiger und offensiver.

Die Chemiker, die fast die ganze Stammelf schonten – nur drei Mann standen vom Vorwochensieg gegen Luckenwalde zum Start auf dem Rasen – wurden ihrerseits auch gefährlicher. RFC-Keeper Hettwer konnte sich mehrmals auszeichnen, nur noch einmal musste er hinter sich greifen. Die Kugel, noch leicht abgefälscht von einem Reichenbacher, landete vor den Füßen von Luis, der aus Nahdistanz locker einschob. Auf die erste Reichenbacher Gelegenheit musste man bis zur 72. Minute warten. Kästner probierte es aus 20 Metern, doch tauchte der Leipziger Schlussmann reaktionsschnell ab und klärte.

Aufregung gab es nach knapp einer Stunde. Referee Seidl unterbrach die Begegnung für vier Minuten. Ein paar Gästeanhänger fühlten sich von „Chemie-Schweine raus!“-Rufen aus dem Heimblock provoziert und rüttelten kräftig am Bauzaun, der beide Lager mitten auf der Tribüne trennte. Nach dem Anrücken der Polizei beruhigte sich die Lage aber wieder schnell. 802 Zuschauer, davon 350 aus Leutzsch, sorgten trotzdem für eine tolle Kulisse.

Stephan Joost (Trainer Reichenbacher FC): „Klar hatten wir uns schon ein paar mehr Momente unsererseits in der gegnerischen Hälfte gewünscht. Uns hat vor allem nach dem 0:1 das Selbstvertrauen und der Mut verlassen. Dennoch haben wir in der Defensive nie die Ordnung verloren. Vier Gegentreffer gegen einen Regionalligisten – damit können wir durchaus leben. Unzufrieden bin ich ganz und gar nicht. Die Einstellung und der Kampf passten zu hundert Prozent.“

Miroslav Jagatic (Trainer Chemie Leipzig): „Erstmal muss ich dem Gegner ein Lob zollen. Das war nicht etwa ein Außenseiter, der sich permanent vor dem eigenen Strafraum verbarrikadierte, sondern schon versuchte, selbst nach vorn zu spielen. Und wenn man da nicht selber vorlegt, dann kann so eine Angelegenheit auch mal schnell in die falsche Richtung gehen. Mit den zwei frühen Treffern ist aber genau das eingetreten, was wir uns vorgestellt hatten. Danach hatten wir das Spiel im Griff.“

StatistikReichenbach: Hettwer – Diegel (65. Albert), Particke, Hinte, Lange – Kästner, Horn – M. Kühn – Süß, Schmelzer (72. Kummer), A. Kühn (82. Klotz); Tore: 0:1 Luis (18.), 0:2 Kirstein (23.), 0:3 Kirstein (29.), 0:4 Luis (57.). SR: Seidl (Langenbernsdorf); Zuschauer: 802