Junger Vorstand schlägt sich mit teuren Altlasten herum

Kottengrün.Nein, seine Armbanduhr musste Hermann Winkler bei seinem Besuch in Kottengrün am Donnerstagabend nicht vorzeigen. Andernorts ist das dem Präsidenten des Sächsischen Fußballverbandes zuletzt durchaus passiert. Die Affären des kürzlich zurückgetretenen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel – der hatte sich unter anderem eine teure Luxusuhr schenken lassen – sorgen dafür, dass Verbandsfunktionäre derzeit mit einem gewissen Argwohn leben müssen. Winkler versucht, dem mit Basisarbeit wie monatlichen Besuchen bei den Mitgliedsvereinen entgegenzusteuern. „Wir wollen Ihre Probleme kennenlernen, um die Belange der Vereine in unseren Entscheidungen besser berücksichtigen zu können“, versicherte er den Vogtländern.

Der Vorstand des 126 Mitglieder zählenden SV Kottengrün ließ sich nicht zweimal bitten, denn Sorgen, bei deren Lösung er jede Hilfe brauchen kann, plagen ihn genug. Die größte hat inzwischen existenzbedrohende Ausmaße angenommen, wie der sportliche Leiter, Lutz Trippner, schildert: „Wir sind einer der ganz wenigen Vereine, die ihren Sportplatz komplett selbst finanzieren, ohne Fördermittel, ohne Gemeindegelder, auch nicht für die Unterhaltung. 2012 wurde er nach einer Sanierung neu eingeweiht. Seitdem haben wir nur Probleme. Die Drainage hat nie funktioniert. Seit 2013 führen wir deswegen mit dem Planungsbüro, der Baufirma und einer Baumaterialfirma einen Rechtsstreit, der bis heute nicht abgeschlossen ist.“

Eine fünfstellige Summe habe der SV Kottengrün inzwischen für Rechtsanwälte und Gutachten investieren müssen, den Streitwert beziffert Trippner auf rund 150.000 Euro. Verfahrensfehler und nicht annehmbare Vergleichsangebote hätten dafür gesorgt, dass inzwischen sogar die Verjährung droht. Bleibt der Verein auf seinen Kosten sitzen, wäre das für ihn das Ende. Soweit möchte es der Verbandspräsident keinesfalls kommen lassen. Er bat die Kottengrüner um die erforderlichen Unterlagen und will sich in der Sache an den Justizminister wenden. Zumindest ein Hoffnungsstreif am Horizont…

Den gibt es nach dem Gespräch am Donnerstag auch für das zweite Sorgenkind, den neu geschaffenen Ausweichplatz gleich nebenan. Der Verein würde ihn gerne als zweite Spielstätte nutzen, blitzte damit aber bisher beim Vogtländischen Fußball-Verband (VFV) ab. Der Grund: Der Platz ist fünf Meter zur kurz. Mehr geben Grundstück und Gelände aber nicht her. Dass der in Kottengrün mit anwesende VFV-Vorstand und der Verein vielleicht doch noch einen Kompromiss finden könnten, zeichnete sich nach einer Platzbesichtigung ab. Winkler nahm es wohlwollend zur Kenntnis: „Das muss doch möglich sein, schließlich wollen wir doch, dass Fußball gespielt werden kann.“

Dem Sachsen-Präsidenten gefiel beim Besuch in Kottengrün auffallend, dass ihm mit dem Vereinsvorstand zum überwiegenden Teil noch recht junge Männer gegenübersaßen. Bei der jüngsten Wahl vor einigen Monaten hatte der SV Kottengrün den Generationswechsel vollzogen. „Es ist schön, dass es diesen Wechsel gegeben hat. Andernorts gibt es da weitaus größere Probleme, bis hin zum Vereinssterben“, lobte Winkler. Dass der SV Kottengrün sein Nachwuchssoll erfüllt und in der Winterpause 13 Zugänge für seine Nachwuchsmannschaften aufnehmen konnte, passte da ins Bild.

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