IFAB beschließt Änderungen der Handspielregel

IFAB beschließt Änderungen der Handspielregel

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Von Chaled Nahar

Die Regelhüter des International Football Association Boards (IFAB) haben zwei Änderungen bei der Handspielregel beschlossen. Außerdem gibt es demnächst Rote Karten für Trainer, bei den Auswechslungen soll weniger Zeitspiel möglich sein und Angreifer dürfen nicht mehr in der Freistoßmauer stehen.

Die Generalversammlung des IFAB, das die Fußballregeln festlegt, beschloss die Änderungen bei ihrer Sitzung im schottischen Aberdeen.

Handspiel – unabsichtlich kann nun auch strafbar sein

Zwei Änderungen zum Handspiel wurden angenommen.

1. Die „unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche“ wird Teil des Regelwerks. Eine Armhaltung über Schulterhöhe führt damit künftig grundsätzlich bei einem Kontakt mit Hand oder Arm ein strafbares Handspiel nach sich. Es soll dabei allerdings Ausnahmen geben: Beispielsweise, wenn der Ball von einem anderen Körperteil abprallt oder wenn ein Arm bei einer Grätsche zum Abstützen benutzt wird. Auch unterhalb der Schulterhöhe soll eine „unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche“ strafbar werden.

2. Unabsichtliches Handspiel wird teilweise strafbar. Und zwar dann, wenn aus einem solchen Handspiel eine Torchance oder sogar ein Tor entsteht – ein sogenannter „klarer Vorteil“. Ein Beispiel ist das Tor von Mönchengladbachs Christoph Kramer am 17. Bundesliga-Spieltag bei Borussia Dortmund. Ein solcher Treffer wird künftig nicht mehr zählen. Die Regel betrifft ausschließlich die Offensive. Wer unabsichtlich mit der Hand ein Tor verhindert, kommt weiter ungestraft davon.

Beide Änderungen bringen etwas mehr Trennschärfe, die Diskussionen aber dürften bleiben. David Elleray, der Technische Direktor des IFAB, beschrieb den Graubereich beim Handspiel im Vorfeld der Generalversammlung als „Ärmelkanal“: „Nun versuchen wir, einen Rhein daraus zu machen.“ Nicht nur für Fans, Spieler und Trainer sollen die Grenzen klarer werden. Auch dem Video-Assistenten ist mit den Änderungen vielleicht geholfen, damit er seinen (Nicht-) Eingriff besser rechtfertigen kann. Es ist die erste Veränderung der Handspielregel seit 1902, wie die Historikerin Petra Tabarelli aus Ockenheim im Vorfeld recherchierte.

Dass der Begriff der „Absicht“ aus der Handspielregel gestrichen oder ein „Ziffernblatt“ die strafbare Armhaltung eines Spielers bestimmen soll, war zu keiner Zeit eine Überlegung, wie IFAB-Geschäftsführer Lukas Brud gegenüber sportschau.de sagte. Zahlreiche Medien hatten über solche Änderungen spekuliert.

Weitere Veränderungen im Spiel

Neben dem Handspiel wurden folgende Regeländerungen angenommen:

Auswechslungen: Wenn ein Spieler ausgewechselt wird, muss dieser künftig das Spielfeld sofort an der nächstgelegenen Linie verlassen. Das soll Zeitspiel verhindern, wird aber auch eine optische Veränderung darstellen.

Freistoßmauer: Spieler der Mannschaft, die den Freistoß ausführt, dürfen sich nicht mehr in die Mauer stellen. Sie müssen einen Meter Abstand zur Mauer halten. Voraussetzung hierfür ist, dass die Mauer aus drei oder mehr Spielern besteht.

Abstoß und Freistoß im eigenen Strafraum: Der Ball muss nicht wie bisher den Strafraum verlassen, bevor ein Mitspieler ihn annehmen darf. Dadurch war bisher ein Zeitspiel möglich, da Abstoß oder Freistoß wiederholt werden müssen. Eine vorgetäuschte Unachtsamkeit brachte dabei bislang einige Sekunden ein. Auch das wird eine optische Änderung mit sich bringen, denn nun ist ein „kurzer Abstoß“ im Strafraum denkbar.

Strafen für Offizielle: Noch eine optische Sache für mehr Transparenz: Der Schiedsrichter wird Vereinsoffiziellen auf der Bank wie beispielsweise Trainern mit gelben und roten Karten signalisieren, wenn er sie verwarnt oder aus dem Innenraum verweist. Spannendes Detail: Kann der Übeltäter nicht identifiziert werden (z.B. Co-Trainer, Fitnesstrainer, Pressesprecher), bekommt automatisch der Cheftrainer die Strafe.

Torwart beim Elfmeter: Der Torwart muss künftig nur noch einen Fuß auf Höhe der Torlinie haben, nicht beide. Damit soll den Torhütern klarer gemacht werden, welchen Bewegungsspielraum sie bei einem Elfmeter haben. Zudem werden solche Situationen für den Schiedsrichter und den Video-Assistenten leichter zu bewerten sein.

Schiedsrichterball: Hier gibt es einige Änderungen: Wenn der Schiedsrichter das Spiel unterbricht und mit einem Schiedsrichterball fortsetzt, spielt er künftig einem Spieler der Mannschaft den Ball zu, die zuletzt am Ball war. Ausnahme ist der Strafraum, hier bekommt ihn der Torwart zugespielt. Eingeführt wurde ein Abstand von vier Metern für alle anderen 21 Spieler. Auch neu: Wird der Schiedsrichter oder ein Assistent getroffen, soll es Schiedsrichterball geben – aber nur dann, wenn aus dem Ballkontakt ein Tor, eine Torchance oder ein Ballbesitzwechsel hätte entstehen können. Der Grundsatz „Der Schiri ist Luft“ gilt dann nicht.

Änderungen gelten ab dem 1. Juni 2019

Die Änderungen gelten ab dem 1. Juni 2019. Auch wenn das Finale der Champions League in Madrid an diesem Tag ausgetragen wird, gelten dort die bisherigen Regeln – laufende Wettbewerbe werden bis zu ihrem Ende so ausgetragen. Die ersten größeren Wettbewerbe mit den neuen Regeln sind die Frauen-WM (ab 7. Juni), die Copa America (ab 14. Juni) sowie der Gold Cup und der Afrika-Cup (beide ab 15. Juni).

Sämtliche Vorschläge waren im Vorfeld von allen Beteiligten in vorbereitenden Sitzungen des IFAB gemeinsam erarbeitet worden – ihre Annahme galt daher als wahrscheinlich.

IFAB hat in Sachen Regeln seit jeher die Macht

Das IFAB hat acht Mitglieder, vier davon stammen traditionell aus den „Ur-Verbänden“ England, Schottland, Wales und Nordirland. Die anderen vier entsendet die FIFA. Die vier Mitglieder aus der FIFA müssen immer geschlossen abstimmen, die anderen dürfen unterschiedlich votieren. An der Abstimmung sind meist die obersten Vertreter der vier Verbände und der FIFA beteiligt: Präsidenten, Geschäftsführer, Generalsekretäre.

Das IFAB ist ein der FIFA übergeordnetes Gremium. Es wurde von den vier Verbänden des Vereinigten Königreichs mehr als 20 Jahre vor der FIFA gegründet. Die FIFA erkannte bei ihrer Gründung 1904 die Hoheit des IFAB in Regelfragen an.

Quelle: http://www.sportschau.de

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